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Unfallakte |
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Kontrollverlust durch Aquaplaning |
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Am 14. August 2011 geht über der Region
Lichtenfels in Oberfranken ein starker Regenschauer nieder. Kurz danach
überholt ein 22-jähriger Motorradfahrer auf der Kreisstraße LIF 2 gegen 17.45
Uhr zwischen Michelau und Schney
einen vorausfahrenden Pkw. Nach Beendigung des Überholvorgangs kommt er beim
Wiedereinscheren in einer leichten Linkskurve
ins Schlingern. Er stürzt, Motorrad und Fahrer prallen gegen einen am
Straßenrand stehenden Baum, dabei wird das Motorrad zerstört und der Fahrer
lebensgefährlich verletzt. Warum ist der Fahrer, der die Stecke als
Einheimischer sicher gut kannte, hier nach einem an sich harmlosen
Überholvorgang ins Schlingern geraten und gestürzt? Gegenverkehr herrschte
nach Zeugenaussagen zum Zeitpunkt des Überholens nicht, es gab also keinen
Bedarf für ein abruptes Fahrmanöver. Der Grund dürfte hier eher an den
Witterungsverhältnissen gelegen haben. Auf dem von der Polizei kurz nach dem
Unfall angefertigten Fotos spiegelt sich deutlich Wasser in den Spurrillen.
Dazu war der Hinterradreifen des Unfallmotorrades, einer Kawasaki ZR 750 L
relativ weit abgefahren. Es kann also davon ausgegangen werden, dass
der Fahrer deshalb die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor, weil er beim bzw.
kurz nach dem Überholen in eine Aquaplaningsituation
geriet. Dabei schwimmt wie beim Pkw der oder die Reifen auf einem Wasserfilm
auf, sein Kontakt und damit die Seitenführungskräfte gehen verloren. Gefährlich und nahezu unbeherrschbar ist
dabei der Moment, an dem der Reifen wieder Bodenkontakt bekommt. Jetzt passen
je nach Länge der Aquaplaningsituation und
Geschwindigkeit des Motorrades die Schräglage und Lenkstellung nicht mehr mit
der inzwischen eingenommenen Bewegungsrichtung zusammen. Die Situation des Aquaplaning beim Motorrad
wird durch die heute für Sportmotorräder verwendeten breiten und mit sehr
viel Positivanteil und damit nahezu profillosen Reifen verschärft. Zwar
besitzen alle modernen Reifen aufgrund ihrer Gummizusammensetzung
hervorragende Nasslaufeigenschaften, allerdings nur, solange auch Kontakt zur
Fahrbahn besteht und der Reifen den Wasserfilm verdrängt. Schwimmt der Reifen aber durch zu hohe
Geschwindigkeit mit seiner kompletten Aufstandsfläche auf dem Wasserfilm der
Straße auf, kann das Motorrad beim Wiedererlangen de Reifenhaftung außer
Kontrolle geraten. Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Hinterradreifen –
passiert die Situation bei leistungsstarken Motorrädern in der
Beschleunigungsphase – aufgrund des jetzt plötzlich reduzierten Widerstands
durchdreht. Diese Aquaplaningsituation
muss aber nicht immer am Hinterrad eintreten. Auch Vorderräder können bei
hohen Geschwindigkeiten, beispielsweise auf Autobahnen, oder bei starkem
Beschleunigen aufschwimmen. Im Gegensatz zum „Wheelie“,
bei dem der Fahrer auch optisch wahrnimmt, dass das Vorderrad aufsteigt,
passiert das Aufschwimmen des Vorderrades eher unbemerkt. Wenn der Fahrer
dann wieder Bodenhaftung bekommt, ist er so überrascht über den plötzlichen
Lenkimpuls, dass es zum Sturz kommen kann. Abhilfe gegen diese gefährliche
Fahrsituation kann vorrangig durch angepasste Fahrweise bei Starkregen oder
kurz danach geschaffen werden. Auch wenn niemand gern im Nassen fährt, ist
eine eher mäßige Fahrweise besser als das Risiko eines Aquaplaning-Unfalls. |
Deutlich ist auf der Straße der Wasserfilm
in den Spurrillen erkennbar. Dieser Artikel ist im Heft Dezember/Januar
2011/2012 erschienen. |
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